Als Sozialarbeiter raus aus der Jugendhilfe: Welche Alternativen gibt es?

Fachkraft räumt nach einem Arbeitstag Unterlagen in einem Jugendhilfe-Büro zusammen.

Wenn du als Sozialarbeiter in der Jugendhilfe arbeitest und dieses Feld verlassen möchtest, sind etwa Suchtberatung oder Kliniksozialdienst fachlich andere Richtungen. Dort kannst du weiterhin beraten und Unterstützung organisieren, beschäftigst dich aber mit anderen Anliegen und Hilfesystemen. Was davon zu deinem Wechselwunsch passt, hängt davon ab, welchen Teil deiner bisherigen Jugendhilfearbeit du nicht mehr übernehmen möchtest.

Dieser Artikel richtet sich an berufstätige Fachkräfte, die ihre Tätigkeit verändern wollen. Die Frage ist dabei genauer als „Wo kann ich sonst arbeiten?“: Möchtest du aus einer bestimmten Betreuungsform heraus, den erzieherischen Auftrag verlassen oder künftig insgesamt andere sozialarbeiterische Aufgaben übernehmen?

Was genau möchtest du in der Jugendhilfe hinter dir lassen?

Jugendhilfe ist mehr als die Arbeit in einer Wohngruppe. Zum Feld gehören auch Aufgaben im Allgemeinen Sozialen Dienst, im Pflegekinderdienst sowie in der Kita- und Schulsozialarbeit.

Auch die Hilfen zur Erziehung unterscheiden sich: Sie können ambulant, teilstationär oder stationär organisiert sein. Es geht etwa um Unterstützung bei Erziehung, Familienalltag und Beziehungen. Das Jugendamt plant und vermittelt die Hilfen; durchgeführt werden sie in der Regel von freien Trägern.

Beginne deshalb mit deinem eigenen Auftrag. Willst du Familien nicht mehr bei Erziehungsfragen begleiten? Möchtest du den Wohn- und Betreuungsalltag verlassen? Oder interessieren dich persönliche Gespräche weiterhin, während du dich fachlich mit einem anderen Thema beschäftigen willst?

Diese Wünsche führen zu unterschiedlichen Entscheidungen. Wenn du etwa keine erzieherische Begleitung mehr möchtest, sollte eine neue Stelle nicht gerade damit ihren Schwerpunkt haben. Geht es dir dagegen um die Dienstplanung oder die Zusammenarbeit in deiner Einrichtung, ist noch offen, ob dafür das gesamte Arbeitsfeld wegfallen muss.

Ein anderes Angebot ist nicht immer ein anderes Arbeitsfeld

Von einer stationären in eine ambulante Erziehungshilfe zu gehen, verändert die Form der Arbeit, bleibt aber innerhalb der Hilfen zur Erziehung. Auch Schulsozialarbeit kann weiterhin zum Jugendhilfekontext gehören.

Das kann trotzdem genau die Veränderung sein, die du suchst. Entscheidend ist, ob du eine andere Form der Jugendhilfearbeit möchtest oder ausdrücklich das Arbeitsfeld wechseln willst. Du musst keinen weiteren Jugendhilfejob ausprobieren, bevor du dich für ein anderes Feld entscheidest.

Wenn die bisherigen fachlichen Aufgaben bleiben sollen, kommt auch infrage, den Arbeitgeber zu wechseln. Ob sich dabei deine gewünschten Bedingungen ändern, lässt sich nur an der konkreten Stelle klären. Ein neuer Trägername beantwortet die Frage nach Zuständigkeiten, Diensten oder Einarbeitung noch nicht.

Suchtberatung: persönliche Gespräche mit anderem Schwerpunkt

Suchtberatung kann interessant sein, wenn du weiter beraten möchtest, aber nicht mehr Erziehung und Familienalltag in den Mittelpunkt stellen willst. Dort geht es um suchtbezogene Anliegen von Betroffenen und Menschen aus ihrem Umfeld, um nächste Schritte und weitere Unterstützung.

Der Wechsel verändert damit das Beratungsthema. Persönlicher Kontakt und die Auseinandersetzung mit der Lebenssituation anderer Menschen bleiben. Wenn du gerade diese Arbeit grundsätzlich nicht mehr möchtest, beantwortet ein anderes Beratungsthema deinen Wunsch nur teilweise. Ebenso wenig solltest du aus dem Feldnamen schließen, dass du ausschließlich mit Erwachsenen arbeiten würdest. Für einen gewünschten Altersgruppenwechsel brauchst du die Zielgruppenbeschreibung der jeweiligen Stelle.

Achte auf die Grenze zwischen Beratung und Therapie. Für Gruppen- und Einzeltherapie in der medizinischen Rehabilitation Abhängigkeitskranker wird eine entsprechende suchttherapeutische Weiterbildung benötigt.

Kläre für deine Auswahl, welche Aufgaben du übernehmen würdest, welches suchtfachliche Wissen vorausgesetzt wird und wie die Einarbeitung aussieht. Eine Beratungsrolle und eine therapeutische Tätigkeit können unterschiedliche Anforderungen haben.

Kliniksozialdienst: Unterstützung für die Zeit nach dem Krankenhaus

Im Kliniksozialdienst geht es unter anderem um die Beratung von Patienten und Bezugspersonen, die Organisation nachstationärer Unterstützung und die Abstimmung mit weiteren Berufsgruppen oder Versorgern.

Wenn dich an deiner bisherigen Arbeit das Zusammenbringen unterschiedlicher Hilfen interessiert, kannst du hier einen fachlichen Vergleich ansetzen: Möchtest du künftig klären, welche Unterstützung nach einem Krankenhausaufenthalt benötigt wird, und an ihrer Organisation mitwirken? Das wäre ein anderer Inhalt als die Begleitung von Erziehungsfragen. Beratung und personenbezogene Koordination würdest du jedoch weiterhin übernehmen.

Für diese Arbeit brauchst du Kenntnisse der Versorgungsstrukturen und der Organisation passender Hilfen. Kläre zusätzlich, welche formale Qualifikation die konkrete Klinikposition verlangt und wie deine bisherige Erfahrung dazu passt.

Für einen Wechsel aus der Jugendhilfe wären deshalb der konkrete Klinikbereich und seine Versorgungswege wichtig. Welche Patientengruppen würdest du beraten? Welche Hilfen und Ansprechpartner müsstest du kennen? Wie lernst du die Abläufe kennen? Wenn du nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchtest, muss auch das zum vorgesehenen Einsatzbereich passen.

Den gewünschten Unterschied konkret benennen

Suchtberatung und Kliniksozialdienst sind hier zwei ausgewählte Alternativen, keine vollständige Liste und keine Rangfolge leichterer Arbeitsfelder. Sie unterscheiden sich im fachlichen Auftrag. Ob Zeitplanung, Umfang der Fälle oder Zusammenarbeit deinen Vorstellungen entsprechen, bleibt eine Frage an den jeweiligen Arbeitgeber.

Formuliere für eine mögliche Richtung den Unterschied zu deiner bisherigen Jugendhilfearbeit. Zum Beispiel: „Ich möchte persönliche Beratung beibehalten, aber nicht mehr zu Erziehungsfragen arbeiten. Suchtbezogene Anliegen interessieren mich; offen sind die Zielgruppe und das vorausgesetzte Fachwissen.“ Das ist ein möglicher Änderungswunsch, keine Aussage über deine Eignung.

Achte ebenso auf das, was bleiben würde. Wenn du keine personenbezogene Unterstützung mehr übernehmen möchtest, lösen die beiden beschriebenen Felder diesen Wunsch nicht vollständig ein. Soll dagegen der fachliche Inhalt wechseln, kannst du genau dort weiterfragen: Welche Aufgaben wären neu, welche kennst du aus eigener Praxis, und welche Kenntnisse brauchst du zusätzlich? Damit wird aus dem allgemeinen Wunsch, die Jugendhilfe zu verlassen, eine begründete fachliche Auswahl.

Quellen